“Dieses Projekt ist ein Vorschlag für einen Weg, der nicht auf digitale Askese und Verweigerung setzt, sondern darauf, die Werkzeuge so zu nutzen, dass sie uns helfen, unsere eigenen Geschichten tiefer zu verstehen und nicht nur lautere für andere zu erzählen”

.: postyour.art
Kunst leben statt Content posten
Sprecher 1: Willkommen zu unserer heutigen Analyse. Sie haben uns eine Quelle geschickt, die mit einer Beobachtung beginnt, die – äh, wahrscheinlich viele Kreative sofort spüren werden.
Sprecher 2: Mhm.
Sprecher 1: Künstlerinnen und Künstler verbringen heute oft mehr Zeit damit, sich sichtbar zu machen, als tatsächlich Kunst zu machen.
Sprecher 2: Absolut. Man ist quasi gezwungen zum eigenen Marketingmanager zu werden. Websites pflegen, soziale Netzwerke permanent bespielen und…
Sprecher 1: …immer auf die Algorithmen schielen, die Form und Tempo diktieren, genau. Die Kunst selbst droht zu bloßem Content zu werden. Und da stellt sich die Frage: Muss das so sein?
Sprecher 2: Ja, das ist die Kernfrage. Der Text, den Sie uns geschickt haben, beschreibt ein Projekt namens „Post Your Art“, das genau hier ansetzt. Schauen wir uns gemeinsam an, welchen Ausweg es vorschlägt.
Sprecher 1: Sehr gerne. Was ich an dem Ansatz sofort faszinierend fand, ist, dass er nicht bei der Technik, sondern bei der Kunstphilosophie beginnt.
Sprecher 2: Okay.
Sprecher 1: Der Text verweist auf die erweiterten Kunstbegriffe von Joseph Beuys oder Christo. Und das ist mehr als nur ein Name-Dropping, das ist sozusagen der entscheidende Rahmen.
Sprecher 2: Das heißt?
Sprecher 1: Es bedeutet Kunst wird hier nicht als fertiges isoliertes Objekt verstanden, also nicht nur das Bild an der Wand oder die Skulptur im Museum.
Sprecher 2: Sondern?
Sprecher 1: Sondern die Kunst ist ein Prozess, der im sozialen und realen Kontext stattfindet.
Sprecher 2: Können Sie das ein bisschen greifbarer machen? Für jemanden, der jetzt nicht Kunstgeschichte studiert hat, was heißt das konkret?
Sprecher 1: Denken Sie an Christos verhüllten Reichstag.
Sprecher 2: Genau, das ist ein perfektes Beispiel. Die Kunst war da ja nicht nur das fertige verhüllte Gebäude.
Sprecher 1: Stimmt. Die Kunst war der gesamte Prozess. Die jahrzehntelangen Debatten im Bundestag, die Ingenieursleistung, die Gespräche der Menschen davor, all das war Teil des Werks.
Sprecher 2: Verstehe. Und genau diesen Gedanken greift das Projekt auf. Die Kunst entfaltet sich in der Handlung, im Austausch, im Prozess. Und jetzt kommt der entscheidende Dreh.
Sprecher 1: Ja?
Sprecher 2: Die Dokumentation dieses Prozesses ist kein lästiges Nebenprodukt mehr, das man für Instagram aufbereitet, sie wird selbst zum integralen künstlerischen Material.
Sprecher 1: Das ist schon ein starker Gedanke. Aber da gehen bei mir ehrlich gesagt sofort die Alarmglocken an.
Sprecher 2: Aha.
Sprecher 1: Wenn die Dokumentation selbst zur Kunst wird, habe ich sofort die Sorge, dass ich dann wieder anfange, diesen Prozess zu inszenieren.
Sprecher 2: Mhm, die Gefahr besteht.
Sprecher 1: Dann mache ich zwar kein Foto vom fertigen Bild, aber dafür ein perfekt ausgeleuchtetes Video davon, wie ich nachdenklich auf meine leere Leinwand starre. Wie stellt das System sicher, dass man nicht doch wieder in diese Content-Falle tappt?
Sprecher 2: Indem es die Werkzeuge dafür radikal anders gestaltet. Es gibt keine Likes, keine Kommentare, keinen öffentlichen Feed, auf dem man sich mit anderen vergleicht.
Sprecher 1: Also kein sozialer Druck.
Sprecher 2: Genau. Der Zugang ist bewusst so gestaltet, dass er für Inszenierung äh ungeeignet ist. Es geht um rohe, unfertige Momentaufnahmen.
Sprecher 1: Okay. Und wie sieht das praktisch aus? Was macht eine Künstlerin, ein Künstler, der das nutzt?
Sprecher 2: Stellen Sie es sich ganz einfach vor: Sie stehen im Atelier, haben einen Gedankenblitz, einen Zweifel, eine Beobachtung.
Sprecher 1: Ja.
Sprecher 2: Sie zücken das Handy, machen ein schnelles unspektakuläres Foto von dem, woran Sie gerade arbeiten, und sprechen Ihre Gedanken einfach als Sprachnotiz dazu.
Sprecher 1: Ah, okay, also ganz direkt.
Sprecher 2: Genau, kein Skript, keine perfekte Formulierung, das ist alles. Diese Fragmente, ein Bild und eine gesprochene Reflexion, sind der gesamte Input. Man füttert das System sozusagen nebenbei, während man lebt und arbeitet.
Sprecher 1: Also im Grunde ein System für Künstler, die bei dem Wort „Content-Kalender“ Ausschlag bekommen.
Sprecher 2: Exakt. Man postet nicht, man fängt einfach nur Momente der eigenen Arbeit ein.
Sprecher 1: Ganz genau. Der zentrale Gedanke, der im Text zitiert wird, lautet: Künstlerinnen und Künstler sollen nicht posten, sondern leben, arbeiten, handeln. Alles andere entsteht daraus. Der Fokus wird also komplett von der externen Darstellung auf den internen Prozess verschoben.
Sprecher 2: Ja, man erzeugt keine Inhalte für eine Timeline, sondern sammelt Bausteine des eigenen Denkprozesses. Gut, diese Bausteine werden also gesammelt, aber was passiert dann mit diesem Haufen aus äh ungeschliffenen Fotos und Sprachnotizen? Das klingt ja erstmal wie ein digitales Chaos-Tagebuch.
Sprecher 1: Und hier wird es wirklich interessant, weil im Hintergrund etwas sehr Mächtiges passiert. Der Text nennt es die „Umwandlung in semantische Datensätze“.
Sprecher 2: Das klingt jetzt sehr technisch. Was bedeutet das genau? Ist das mehr als nur eine schicke Datenbank oder ein Ordner, in dem alles nach Datum sortiert wird?
Sprecher 1: Viel, viel mehr. Das ist der Kern der Sache. Stellen Sie es sich nicht wie eine Ordnerstruktur vor, sondern wie einen persönlichen Archivar, der Ihre Gedanken miteinander verknüpft.
Sprecher 2: Okay.
Sprecher 1: Das System analysiert die Inhalte. Es transkribiert die Sprachnotizen und erkennt wiederkehrende Begriffe. Es analysiert die Bilder und identifiziert Motive.
Sprecher 2: Also wenn ich über drei Jahre hinweg immer wieder den Begriff „Grenze“ erwähne?
Sprecher 1: Oder auf Fotos immer wieder das Motiv eines Zauns auftaucht, dann stellt das System eine Verbindung her. Es versteht die Beziehungen zwischen den Einträgen.
Sprecher 2: Haha.
Sprecher 1: Es entsteht ein wachsendes intelligentes Netz aus Zusammenhängen, das die Entwicklung Ihrer Arbeit und Ihrer Gedanken über die Zeit abbildet.
Sprecher 2: Aha. Das heißt, der Wert entsteht nicht durch einen schnellen Like von außen.
Sprecher 1: Nein.
Sprecher 2: Sondern durch die Dichte und Kontinuität der eigenen Arbeit über einen langen Zeitraum. Genau das ist die Neudefinition von Wert. Auf herkömmlichen Plattformen entsteht Wert durch externe Bestätigung: Likes, Klicks, Shares.
Sprecher 1: Klar.
Sprecher 2: Hier entsteht Wert intern, durch Zeit, Kontinuität und Kontext. Und der Wert einer Arbeit bemisst sich nicht daran, wie viele Leute sie sofort sehen, sondern daran, wie sie sich über Monate und Jahre entwickelt.
Sprecher 1: Und welche Verbindungen sie zu anderen Gedanken im eigenen Kosmos aufbauen. Exakt. Das System folgt der inneren Logik der Arbeit, nicht der äußeren Logik von Reichweite oder Trends. Als ich im Text dann vom Einsatz von KI las, war mein erster Gedanke: Oh nein, nicht schon wieder Bildgeneratoren.
Sprecher 2: Mm, die klassische Sorge.
Sprecher 1: Die Sorge, dass eine Maschine jetzt die Kunst macht. Aber das Projekt meint hier etwas völlig anderes, oder?
Sprecher 2: Ja, es ist eigentlich das genaue Gegenteil. Die KI ist hier nicht die Bühne, auf der Kunst generiert wird, sondern ein Werkzeug im Hintergrund.
Sprecher 1: Ein Werkzeug wofür?
Sprecher 2: Um die Künstler von unliebsamer Arbeit zu entlasten. Sie übernimmt all die Aufgaben, die normalerweise so viel Zeit und Energie fressen, eben genau jene Aufgaben der Selbstvermarktung und Dokumentation.
Sprecher 1: Also die KI schreibt mir nicht das Gedicht, aber sie hilft mir, meine Gedichte zu sortieren und zu präsentieren. Was genau kann sie denn aus diesem semantischen Netz, wie Sie es nannten, konkret erstellen?
Sprecher 2: Ganz unterschiedliche Dinge. Das System kann aus dem Material automatisch eine komplette Website generieren, die sich selbst aktualisiert.
Sprecher 1: Oh, okay.
Sprecher 2: Es kann druckfertige Publikationen oder Kataloge zusammenstellen, indem es die wichtigsten Werke und die dazugehörigen Reflexionen auswählt. Es kann sogar erste Entwürfe für Ausstellungstexte oder Förderanträge erstellen.
Sprecher 1: Weil es ja die zentralen Begriffe und Entwicklungslinien meiner Arbeit kennt.
Sprecher 2: Genau. Das ist natürlich ein starkes Argument. Der Künstler muss diese Formen nicht mehr aktiv selbst herstellen oder ständig pflegen.
Sprecher 1: Man füttert das System durch das eigene Tun.
Sprecher 2: Und die sichtbaren Ergebnisse für die Außenwelt entstehen fast von selbst.
Sprecher 1: Richtig. Ein Zitat im Text bringt es auf den Punkt: Technologie arbeitet im Hintergrund, Kunst bleibt im Vordergrund. Die Technologie wird wieder zum Diener des kreativen Prozesses, nicht zu seinem Herrn. Das Gesamtbild, das sich da abzeichnet, ist also nicht einfach eine neue App oder eine weitere Plattform. Es klingt eher nach einem, ja, einem Paradigmenwechsel in der Haltung.
Sprecher 2: Absolut. Der Text nennt es treffend „ein künstlerisches System“, kein soziales Netzwerk oder Marketing-Tool. Es ist ein System, das grundlegende Fragen an den heutigen Kunstbetrieb stellt.
Sprecher 1: Zum Beispiel?
Sprecher 2: Wem gehört eigentlich die Deutungshoheit über künstlerische Bedeutung? Dem Künstler oder dem Algorithmus, der entscheidet, was sichtbar ist?
Sprecher 1: Stimmt. Wie kann Sichtbarkeit ohne diese aggressive Selbstvermarktung überhaupt entstehen? Das klingt alles fast zu gut, um wahr zu sein. Ein geschützter Raum, in dem man einfach nur arbeiten muss und der Rest passiert von alleine. Aber gibt es da nicht auch eine Kehrseite?
Sprecher 2: Hm, woran denken Sie?
Sprecher 1: Ich frage mich gerade: Wenn diese KI meine Arbeit interpretiert und mir Zusammenhänge vorschlägt, die ich selbst vielleicht noch gar nicht gesehen habe, besteht da nicht die Gefahr, dass mich das unbewusst beeinflusst?
Sprecher 2: Eine exzellente und absolut berechtigte Frage.
Sprecher 1: Dass ich anfange, für den Algorithmus zu arbeiten, auch wenn er nur mir privat dient. So eine Art interner algorithmischer Feedback-Loop.
Sprecher 2: Ja, das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung bei einem solchen System. Die Gefahr besteht. Das System darf nicht vom Spiegel zum Regisseur werden.
Sprecher 1: Und wie verhindert man das?
Sprecher 2: Die Lösung, die der Text andeutet, liegt in der Transparenz und der Kontrolle. Der Künstler muss immer die Hoheit darüber haben, warum das System eine Verbindung vorschlägt. Es darf keine Blackbox sein.
Sprecher 1: Okay. Man muss die Vorschläge des Systems als das sehen, was sie sind: Hypothesen, die auf den eigenen Daten basieren. Man kann sie annehmen, ignorieren oder sogar korrigieren, aber man muss sich dessen bewusst sein.
Sprecher 2: Man muss, Sie haben recht. Es erfordert eine bewusste und kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Werkzeug. Die Gefahr der Selbstoptimierung schleicht sich durch jede Hintertür ein.
Sprecher 1: Man entkommt also dem Druck des Publikums, muss sich aber der Disziplin stellen, sich nicht vom eigenen digitalen Spiegelbild verführen zu lassen. Für wen ist so ein System dann überhaupt gedacht? Es klingt nicht nach einer Lösung für jeden.
Sprecher 2: Nein, und das wird im Text auch sehr klar gesagt. Es adressiert direkt die Künstlerinnen und Künstler, die sagen: Ich will kein Influencer sein.
Sprecher 1: Mhm.
Sprecher 2: Es ist für diejenigen, deren Arbeit eben nicht in einem perfekten Foto aufgeht, sondern die Prozesse, die Zweifel, die Umwege als integralen Bestandteil ihrer Kunst ansehen.
Sprecher 1: Für Kreative, die es leid sind, ihre Kunst permanent in leicht verdauliche Häppchen verpacken zu müssen.
Sprecher 2: Genau. Letztlich richtet es sich an alle, die reale Arbeit über die digitale Selbstdarstellung stellen, die prägnanteste Zusammenfassung dieser Haltung liefert der Text mit einem Zitat, das wahrscheinlich vielen aus der Seele spricht.
Sprecher 1: Nämlich?
Sprecher 2: „Ich will Kunst machen, nicht Content produzieren.“ Und dieser Wunsch, dem Content-Hamsterrad zu entkommen, ist ja bei weitem nicht auf die Kunst beschränkt. Als wir das gelesen haben, kam sofort der Gedanke…
Sprecher 1: …man müsste dieses Prinzip doch übertragen können.
Sprecher 2: Absolut. Stellen Sie sich ein „Post Your Research“ für Wissenschaftler vor.
Sprecher 1: Oh ja, das wäre fantastisch. Ein Ort, an dem nicht nur das fertige erfolgreiche Paper zählt, sondern auch die Hypothesen, die fehlgeschlagenen Experimente, die losen Gedanken. All die Dinge, die normalerweise in der Schublade verschwinden, aber über Jahre hinweg den eigentlichen Erkenntnisprozess ausmachen.
Sprecher 2: Das System könnte Verbindungen zwischen gescheiterten Versuchen aus unterschiedlichen Jahren aufzeigen und so zu völlig neuen Ansätzen führen.
Sprecher 1: Genau. Der Wert eines fehlgeschlagenen Experiments wird ja oft erst Jahre später im Kontext anderer Arbeiten sichtbar. Oder denken Sie an ein „Post Your Thoughts“ für Autoren, Denker, eigentlich für jeden von uns. Ein Werkzeug zum Denken, nicht zum Senden.
Sprecher 2: Ja. Ein System, das die eigenen Notizen, Ideen und Lektüren über Jahre hinweg intelligent vernetzt, ohne den Druck, jeden Einfall sofort zu einem perfekten Blogpost oder einem viralen Tweet formen zu müssen. Und damit sind wir bei der universellen Herausforderung, die dieses Projekt im Kern adressiert: Wie erobern wir die Deutungshoheit über unsere eigene Arbeit und unseren eigenen Werdegang von algorithmischen Plattformen zurück? Eine große Frage.
Sprecher 1: Ja. Der Text schlägt eine sehr spezifische technologische Lösung für die Kunst vor, aber das zugrunde liegende Problem betrifft uns doch alle, ob in der Wissenschaft, im Handwerk, im Management oder im persönlichen Lernen. Wir werden ja ständig dazu gedrängt, unsere Prozesse nach den Maßstäben der Plattformen zu optimieren, um sichtbar zu sein.
Sprecher 2: Mhm.
Sprecher 1: Dieses Projekt scheint einen Weg aufzuzeigen, wie man die Technologie statt dessen so umgestalten kann, dass sie wieder dem menschlichen Prozess dient.
Sprecher 2: Genau das ist die Vision. Es geht darum, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem die reale, oft unordentliche und nicht lineare Praxis in langfristig wertvolle Bedeutungsstrukturen überführt wird.
Sprecher 1: Das klingt sehr gut. Der Text schließt mit ein paar sehr treffenden Schlagworten, die das wunderbar zusammenfassen. Dieses System soll leise, nachhaltig und jenseits von Plattformlogik funktionieren.
Sprecher 2: Leise und nachhaltig, das gefällt mir. Die Stoßrichtung ist klar. Es geht nicht darum, noch effizienter oder lauter zu sein. Die abschließenden Worte lauten: „Nicht schneller, nicht lauter, sondern tiefer.“ Das hinterlässt bei mir einen sehr provokanten Gedanken, den wir vielleicht für Sie als Hörer am Ende stehen lassen könnten.
Sprecher 1: Mm.
Sprecher 2: Das Prinzip lautet ja: Dokumentiere deinen Prozess leise und kontinuierlich und lass die Bedeutung mit der Zeit wachsen, anstatt auf sofortiges Engagement zu zielen.
Sprecher 1: Mm.
Sprecher 2: Was würde passieren, wenn nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Organisationen oder Unternehmen nach diesem Prinzip arbeiten würden? Stellen Sie sich eine Firma vor, die ihren Wert nicht primär über Quartalsberichte und laute Marketingkampagnen definiert.
Sprecher 1: Sondern?
Sprecher 2: Sondern, sondern über ein internes semantisches Netz, das die tatsächliche Entwicklung von Ideen, Projekten und sogar Fehlern über Jahre hinweg abbildet.
Sprecher 1: Das ist eine faszinierende Weiterführung. Es würde die Art und Weise, wie wir über Erfolg, Misserfolg und Innovation nachdenken, fundamental verändern.
Sprecher 2: Absolut. Die Frage, die dieses Kunstprojekt aufwirft, ist letztlich eine zutiefst menschliche: Wie schaffen und dokumentieren wir Wert nach unseren eigenen Maßstäben in einer digitalen Welt, die permanent eine ganz bestimmte Form von sichtbarer Leistung und sofortiger Resonanz fordert? Ja. Dieses Projekt ist ein Vorschlag für einen Weg, der nicht auf digitale Askese und Verweigerung setzt, sondern darauf, die Werkzeuge so zu nutzen, dass sie uns helfen, unsere eigenen Geschichten tiefer zu verstehen und nicht nur lautere für andere zu erzählen.
postyour.art
Ein künstlerisches System zur Befreiung von Sichtbarkeitszwang
postyour.art ist ein künstlerisches Projekt, das aus einer einfachen, aber radikalen Beobachtung entsteht:
Immer mehr Künstler:innen verbringen mehr Zeit damit, sich sichtbar zu machen, als Kunst zu machen.
Websites müssen gepflegt werden.
Soziale Netzwerke verlangen permanente Aktivität.
Algorithmen diktieren Form, Tempo und Sprache.
Kunst wird reduziert auf Bilder, Reels, Erklärungen – oft auf bloße Dekoration.
postyour.art setzt genau hier an.
Kunst als Prozess, nicht als Content
Meine künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen den erweiterten Kunstbegriffen von Joseph Beuys und Christo.
Kunst entsteht für mich nicht als isoliertes Objekt, sondern im sozialen, realen Kontext:
in Projekten, Räumen, Veranstaltungen, Produkten, Dingen, Begegnungen.
Diese realen Prozesse werden nicht nur begleitet, sondern künstlerisch dokumentiert, reflektiert und transformiert.
Dokumentation ist dabei kein Nebenprodukt – sie ist künstlerisches Material.
Die Grundidee von postyour.art
postyour.art ist der Versuch, Künstler:innen von der Logik externer Plattformen zu lösen und stattdessen einen eigenen Bedeutungsraum zu schaffen:
ein wachsendes semantisches Netz, das der inneren Logik der künstlerischen Arbeit folgt – nicht der Logik von Reichweite, Trends oder Algorithmen.
Der zentrale Gedanke lautet:
Künstler:innen sollen nicht posten, sondern leben, arbeiten, handeln.
Alles andere entsteht daraus.
Wie postyour.art funktioniert
Der Zugang ist bewusst einfach gehalten.
Künstler:innen erfassen ihre Arbeit nicht über aufwendig produzierte Inhalte, sondern über:
- Kamerabilder aus realen Situationen
- gesprochene Sprache, Gedanken, Beobachtungen, Reflexionen
Ohne Inszenierung.
Ohne Veröffentlichungsdruck.
Ohne Content-Plan.
Diese Eingaben werden im Hintergrund zu semantischen Datensätzen verarbeitet:
Zusammenhänge, Motive, Begriffe, Entwicklungen, zeitliche Linien.
Wert entsteht hier nicht durch Likes oder Klicks, sondern durch Zeit, Kontinuität und Kontext.
KI als Werkzeug, nicht als Bühne
Im Hintergrund nutzt postyour.art KI-gestützte Prozesse, um diese Datensätze weiterzuverarbeiten.
Nicht, um Kunst zu ersetzen – sondern um Künstler:innen zu entlasten.
Aus dem semantischen Material entstehen automatisch unterschiedliche Channels:
- Publikationen
- Webseiten
- Archive
- digitale Produkte
- Ausstellungstexte
- Dokumentationen
- konzeptionelle Ableitungen
Der entscheidende Punkt:
Der Künstler muss diese Formen nicht aktiv herstellen oder ständig pflegen.
Technologie arbeitet im Hintergrund.
Kunst bleibt im Vordergrund.
Haltung statt Plattform
postyour.art ist kein soziales Netzwerk.
Kein Marketing-Tool.
Kein Optimierungssystem.
Es ist ein künstlerisches System, das Fragen stellt:
- Wem gehört künstlerische Bedeutung?
- Wie entsteht Sichtbarkeit ohne Selbstvermarktung?
- Wie kann Kunst langfristig dokumentiert werden, ohne sich zu erklären?
- Wie kann Technologie dienen, statt zu dominieren?
postyour.art versteht Kunst als soziale Praxis, nicht als Produktstrom.
Für wen dieses Projekt gedacht ist
postyour.art richtet sich an Künstler:innen,
- die keine Influencer sein wollen
- die Prozesse, Zweifel und Umwege zulassen
- die Kunst nicht permanent erklären möchten
- die reale Arbeit über digitale Selbstdarstellung stellen
Es ist ein Angebot für alle, die sagen:
Ich will Kunst machen – nicht Content produzieren.
Zusammengefasst
postyour.art schafft einen Raum,
in dem reale künstlerische Praxis in langfristig wertvolle Bedeutungsstrukturen überführt wird –
leise, nachhaltig und jenseits von Plattformlogik.
Nicht schneller.
Nicht lauter.
Sondern tiefer.
